Wachstum
Die Mistel kennt kein Oben und kein Unten und richtet sich nicht nach der Sonne, die Fruchtbildung erfolgt im Winter. Die meisten uns bekannten Pflanzen keimen unter der Erde in absoluter Dunkelheit. Ganz anders aber die Mistel; ohne das benötigte Licht würde bei ihr erstmal gar nichts geschehen. Bei der Keimung bilden die Samen sogenannte Senkerwurzeln (Haustorien) aus, welche einerseits der Verankerung im Wirt und andererseits dem Anzapfen dessen Leitungsbahnen dienen. Misteln wachsen sehr langsam. Erst im zweiten oder dritten Jahr treiben erste Blätter aus und frühestens nach fünf bis sieben Jahren blühen die Pflanzen zum ersten Mal. Die Mistel ist das ganze Jahr über grün und bildet an ihrem kurzen und leuchtend grünen Stamm gabelig verzweigte Äste, was ihr mit der Zeit eine kugelige Form gibt. Diese Kugel kann einen Durchmesser von bis zu 1 m erreichen. Da die löffelförmigen, ledrigen Blätter, welche nicht verwelken, sondern irgendwann einfach abfallen, stets in Paaren wachsen, erinnern sie stark an kleine Propeller.
Als sogenannt zweihäusige Pflanze weist die Mistel ein getrenntes Wachstum der männlichen und weiblichen Blüten auf. Ein einzelner Mistelstrauch trägt folglich stets nur Blüten des einen Geschlechts. Die Blüten wachsen im Frühjahr stiellos in den Gabelungen der Mistelzweige und werden nur einige Millimeter gross, wodurch sie relativ unscheinbar wirken. Die männlichen Blüten sind gelb, während die weiblichen etwas blasser sind und ihre Farbe von leichtem Grün bis hin zu Weiss variiert. Beide Blütenstände sondern eine Art Nektar mit orangenähnlichem Duft ab, welcher Ameisen und Fliegen anlockt, die nebst dem Wind die Bestäubung übernehmen. Ende Juni entwickeln sich langsam die erbsengrossen durchscheinenden Früchte mit dem innen liegenden grünen Embryo. Zu Advent sind die Beeren dann endlich reif und leuchtend weiss. Die Triebe bilden jedes Jahr einen Knoten, so dass sich das Alter einer Mistel durch das Zählen der Knoten ungefähr bestimmt lässt.